HEIMATKÖRPER

Ein Tanzperformance von Sascha Paar

HEIMATKÖRPER gibt keine Antworten. Es öffnet Spannungsräume. Es fragt, was bleibt, wenn Zuschreibungen brüchig werden – und was entsteht, wenn zwei Körper mit 50 Jahren Altersunterschied einander begegnen.

München, 08/05/2026

In Heimatkörper begegnen sich zwei Menschen, zwei Generationen, zwei Biografien, zwei Körperbilder. Hier trifft der Tänzer Karl Reinisch, in den 1970ern unter John Cranko Ensemblemitglied des Bayerischen Staatsballetts, auf seinen jungen Kollegen Sascha Paar. Beiden sind die gewohnten Rollen abhanden gekommen: Der eine beendete nach fünfzehn Jahren auf der Bühne seine aktive Laufbahn als Tänzer, der andere hat sein Lebenswerk, die Grazer Ballettschule, geschlossen. 

Was bleibt? Ein Ich ohne Etikett, ein Körper ohne Sichtbarkeit und Richtung? 

Die Sehnsucht nach Verankerung führt beide zu einer Idee von Heimat. Einem Ort der Sicherheit, einem stabilen Fundament von Zugehörigkeit und Geborgenheit. Weniger ein konkreter Ort, mehr ein Zustand des Zuhause-Seins, Aufgehoben-Seins, der gesicherten Identität. Ein Heimatgefühl dem eigenen Körper, der eigenen Biografie gegenüber. 

Heimatkörper lässt ein Archiv zweier Leben entstehen. Aufgewachsen in der gleichen Landschaft in unterschiedlichen historischen und gesellschaftlichen Hintergründen. 

Eines geprägt durch queere Identität, Migration und Distanz und eines, das von einem geordneten, sozialen Selbstbild zehrt, das im Alter zu bröckeln beginnt. Diese zwei Körper mit all ihren Prägungen, Widersprüchen, Erinnerungen, Zuschreibungen, Projektionen und Überlagerungen erschaffen eine Brücke zwischen den Generationen, die nicht aus Gemeinsamkeiten, sondern aus geteilter Verwundbarkeit lebt.

Langsam, zögerlich und tastend wird der Körper beobachtet, befragt, freigelegt. Kreist zunächst jeder der beiden Performer um sich und sein Verhältnis zu Vergangenheit, Herkunft, Lebensweg so nähern sich im Verlauf des Abends die Bewegungen an, weichen zurück, spiegeln und reiben sich. Erinnerungen und Heimaten schreiben sich in die Körper ein. Alltagsobjekte werden zu fremdartigen, skurrilen und zugleich zärtlichen Chiffren von Mentalität und Identität. 

Den Sound zu Heimatkörper steuert die österreichische Künstlerin Ronja Klug bei. Aus Bildern und Texten der beiden Performer entwickelt sie klangliche Atmosphären, die zusammen mit Field Recordings – akustische Spuren von für Paar und Reinisch biografisch wichtigen Orten – in die Komposition einfließen.

HEIMATKÖRPER gibt keine Antworten. Es öffnet Spannungsräume. Es fragt, was bleibt, wenn Zuschreibungen brüchig werden – und was entsteht, wenn zwei Körper mit 50 Jahren Altersunterschied einander begegnen.

 

Fr 12. + Sa 13. Juni 2026, 20 Uhr, HochX, Entenbachstraße 37, 81541 München

Choreografie, Performance: Sascha Paar / Performance: Karl Reinisch / Sound, Komposition: Ronia Klug / Künstlerische Mitarbeit: Jana Baldovino / Outside Eye: Ian Kaler /  Licht: Rainer Ludwig / Sound: Nicholas Brown / Künstlerische Produktionsleitung: Rat & Tat Kulturbüro / PR: Simone Lutz / Spielortleitung: Frederico Marin / Fotografie: Elisa Wüntscher / Grafik: Rose Pistola

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