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Nürnberg
PLANET TRANSFORMANCE CITYXCHANGE
Blog 5 - diesmal mit Judith Hummel zu den „Papierdialogen"
Es war 2009, als Beate Höhn aus Nürnberg den Gedanken in die Welt setzte, dass Choreographen in Bayern zusammenarbeiten um auf eigenständige Weise Kreationsprozesse und Performance-Möglichkeiten über die eigenen Stadtgrenzen hinaus zu generieren. GERÜCHE DER KINDHEIT in Nürnberg, München und Regensburg war so gesehen und wenn auch im Rückblick unter unglaublichen Anstrengungen realisiert die schöne Geburtstunde jener Entwicklung im tanzenden Freistaat, die jetzt im TRANSFORMANCE Xchange-Projekt einen Höhepunkt hat. Dass wir mit dem Gedanken der Künstlerzusammenarbeit eine bescheidene Flughöhe erreicht haben, beweist das neue Projekt von Judith Hummel und Sabine Glenz. Sie werden für das Jahr 2017 aus dem TRANSFORMANCE-Choreographenkonsortium und deren ästhetischen Verständnissen ein neues Projekt generieren, das wir, natürlich, auch in Regensburg zeigen werden.
Im Rahmen unseres Tanz-Tausch-Projektes hat Judith Hummel ihre wunderbaren „Papierdialoge“ an die Nürnberger Choreographin Barbara Bess übergeben:
„In der Auseinandersetzung mit dem Gedankengut von Judith Hummel zu „Papierdialoge“ interessiert mich das Material Papier als Dokumentations- und Projektionsfläche von Gedanken die auftauchen wenn wir uns bewegen. Gedanken die zu Worten und Sprache werden die der Körper in Bewegung zu Papier bringt. Worte und Papier als verdichtete Feinstoffe die eine Brücke im Dialog zwischen Performer und Publikum bilden,“
erzählte Barbara Bess im Vorfeld. Hier sei nur kurz erinnert an Stefan Drehers Solo „Song“ für Cheri Isen die in scheinbar unendlicher Wiederholung der immer gleichen Bewegungen, begleitet von Tönen, nach und nach einen sich zur Vollständigkeit bildenden Satz performt. Kraftvoll schimmert am Tanzhorizont hier natürlich auch William Forsythes vorausschauendes Installations-Statement HUMAN WRITES von vor zehn Jahren im Gedächtnis auf. Die Dimension des Körpers in Bewegung verbunden mit dem Logos ist ein Grundaxiom wenn es um Tanz geht. Die Verantwortlichkeiten hier auszuloten – eine Aufgabe der Kunst. Gerne lesen wir hierzu die Antworten von Judith Hummels:
Judith, NENNE MIR DREI PUNKTE: WAS IST DIR ALS CHOREOGRAPH EIGENTLICH WICHTIG?
Ich suche erstens nach Dialogen, die mich berühren, in der Annahme, dass ich so andere Menschen bewegen kann; zweitens akribische Prozesshaftigkeit, mit hoffentlich genug Luft zum Atmen. Und drittens: Ich nehme mir Zeit und ich gebe Zeit.
MAL EHRLICH: WARUM LÄSST DU BARBARTA BESS AN EIN STÜCK VON DIR RAN?
Zunächst war da eine große Unbekümmertheit bezüglich meines Besitzanspruches auf ein künstlerisches Produkt, eine Idee, die nicht allein durch mich entsteht, sondern immer mit allen Beteiligten im Dialog. Als die Transformance-Idee erstmals aufkam war ich mit dem Begriff des Teilens beschäftigt und habe mich nicht mit möglichen 'Folgen' beschäftigt. Für mich stellte sich nicht die Frage warum, sondern warum nicht? Was spricht dagegen Ideen, Gedanken, ein Resultat an jemand anderen eigenverantwortlich abzugeben bzw. zur Verfügung zu stellen? Ich konnte erstmals nur einen Gewinn darin erkennen. Fest stand für mich immer, dass die "Originalarbeit" losgelöst von der Neuinterpretation ist. Daher vielleicht auch meine Unbekümmertheit. Ich sah und sehe mich als (Impuls-)Geberin, die Arbeiten voneinander unabhängig. Nehmerin wollte ich selbst nicht sein.
Der bisherige Verlauf des Projekt im Bezug auf den Kontakt, den Austausch zur Nehmerin beläuft sich auf einige wenige Emailverläufe. Das heißt, erst einmal habe ich etwas zur Verfügung gestellt, ohne weitere Ansprüche darauf. Zugegebenermaßen hat mich das im Verlauf des Projekts begonnen nervös zu machen, nachdenklich gestimmt bezüglich meines impulsiven Gebertums, ob das klug, sinnvoll war oder doch leichtsinnig, unüberlegt? Ob es stimmt, dass ich keine Erwartungen und Ansprüche habe? Und die Frage: was ich davon eigentlich will, was ich mir davon verspreche...
In diesen Gedanken versuche ich meine erste Unbekümmertheit beizubehalten, loszulassen und es als einen weiteren Prozess zu sehen, in dem ich offen bleibe, für das was kommt oder eben auch nicht kommt.
WELCHE HOFFNUNGEN SETZT DU INSBESONDERE IM TANZJAHR 2016 IN DIE KUNST DES TANZES UND DER CHOREOGRAPHIE?
Für mich ist der Kontakt zum Körper etwas Wesentliches in unserer heutigen Gesellschaft, tatsächlich etwas Politisches. Es gibt Momente in einer Berührung mit einem anderen Menschen oder in einem Moment am Boden, in dem ich bei mir bin und denke: "mehr braucht es nicht…alles in Ordnung." Wenn ich das versuche auf unsere Weltsituation zu übertragen, dann geht das nicht. Aber ich glaube es gibt etwas Heilsames im Kontakt mit anderen Menschen und im Kontakt zum Körper. Ich möchte fragen, kann so viel Grauen passieren, wenn wir miteinander in einem guten Kontakt sind? Und im nächsten Moment klingt die Frage albern. Die Blase, Tanz zu schaffen, Choreographie zu schaffen, sich mit dem Körper zu beschäftigen, kann unglaublich klein sein, aber wenn ich es größer denke, dann kann Tanz unsere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit verändern, indem ich Situationen Gewicht verleihe, Verletzlichkeit sichtbar mache. So kann ich eine Arbeit wie die PAPIERDIALOGE in einer Zeit wie der unseren heute verankern. Ich bin dankbar, mich mit der Materie beschäftigen zu dürfen.
WAS MACHST DU NACH DEM TANZEN UND KUNST MACHEN?
Warum die Frage nach dem 'NACH'? Ich bin der Überzeugung, dass alles was ein Mensch tut, Folgen und Spuren hinterlässt. Daher würde ich nicht von einem NACH sprechen, sondern von Transformation von – nach – über.... Die Kunstform Tanz ist Teil meines Lebens, prägt mich, begleitet mich, egal was NACH ist oder kommt. Ich möchte Kunst nicht als ein VOR und NACH denken. Es ist für mich ein Sein, eine Einstellung. Wenn ich will, kann ich alles zu (Tanz-)Kunst erklären. Es gehört ein Denken und Handeln dazu.
Es grüßt herzlich
Alexandra Karabelas
Kommentare zu "Planet Transformance CityXChange"
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