Ein Projekt im Rahmen von Access to Dance gefördert durch

Anna tanzt

BAYERISCHES STAATSBALLETT Kinder- und Jugendprogramm 2008/2009

. Foto: © Oskar Henn


ANNA TANZT IV
widmet sich dem Verhältnis von Jung und Alt. Die 90 Kinder der 8.Jahrgangsstufe des Münchner St. Anna Gymnasiums, die Abschlussklasse der Berufschule zur Berufsvorbereitung in Bogenhausen (Jugendliche ohne Hauptschulabschluss) treffen auf eine Gruppe alter Menschen über 70.
Ab wann ist man alt? Wie fühlt man das Altern, wie fühlt es sich an? Und welche Erinnerung haben die Alten an ihre Jugend? „I hope I die before I get old“ sangen die WHO und sind nun selber alt. MY GENERATION vergreist, aber niemand möchte dabei sein, wenn es passiert. In Brasilien ist der Gutschein für den Schönheitschirurgen ein beliebtes Abi-Geschenk und die kleine Botoxinjektion für zwischendurch wird vielleicht bald so selbstverständlich sein wie das tägliche Deo.

Das Projekt „Anna wird alt“ beschäftigt sich mit den Bildern, die wir vom Alt-werden haben. Es untersucht das Verhältnis von Jugendkult und Alterswahn und konfrontiert die Generationen miteinander und mit sich selbst.

Ausgangspunkt des Arbeitsprozesses ist Anna, 13, ist die Perspektive der Jugendlichen auf das Alter. Die Jugendlichen sind eingeladen, auf das Alter zuzugehen, sich ihm zu stellen, es zu befragen und zu beobachten. Jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin des Projektes wird deshalb gebeten, einen alten Menschen zu suchen, der sie auf irgendeine Weise fasziniert oder verwundert, auf jeden Fall interessiert und sie oder ihn in das Projekt einzuladen. Aus dieser Wahl der Jugendlichen entsteht ein paralleles Ensemble alter Menschen, das die Entstehung des Stückes begleitet und (teilweise) auch in der Bühnenrealisation mitwirkt.

. Foto: © Oskar Henn

Die Ergebnisse der Recherchen und Dialoge aus der Vorbereitungsphase Januar bis Juni 2009 bilden die Grundlage des Stückes, das diesmal nicht „nur“ Tanz ist, sondern Tanztheater, das Geschichten, Bilder, Töne und Bewegungsmuster des Altwerdens miteinander reagieren lässt. Die Arbeitsgruppe Neuropsychologie der LMU begleitet das Projekt, ebenso StudentenInnen der Theaterwissenschaft.
Die Proben im Ballettsaal und auf der Bühne finden vom 29.Juni bis 30.Juli 2009 im Probenhaus des Bayerischen Staatsballetts sowie in der Muffathalle statt,
täglich 9h bis 12h, 13-15h.

Die beteiligten Künstler

Konzeption und Regie: Horst Konietzny
Choreografie: Lenka Flory
Cello: Johanna Varner
Video: Suzon Fuks

- der Regisseur und Medienkünstler/-dozent Horst Konietzny aus München
- die tschechische Choreographin Lenka Flory,
Mitglied des Ensembles „Déjà donné“ aus Italien,
- die Cellistin Johanna Varner aus München
- die Tanz.Video-Filmerin Suzon Fuks,, Australien
- Tänzer des Bayerischen Staatsballetts und der freien Tanzszene
München, u.a. Eva Forler, Caroline Geiger, Peter Jolesch

Technische Leitung: Joachim Ehrler
Idee/Produktionsleitung: Bettina Wagner-Bergelt

Und ein Kooperationsteam aus Mitarbeitern der Klinik f. physikalische Medizin/Rehabilitation & Institut für Gesundheits- und Reha-Wissenschaften der LMU, Dr. Ilmberger/Dr. Grill; Studierende der Hochschule für Film und Fernsehen, des Instituts für Medienpädagogik, des Instituts für Theaterwissenschaften der LMU; Prof. Dr. Andreas de Bruin/Hochschule München, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften; Tanz und Schule e.V. Access to Dance/Tanzplan München

Ziel ist, die etwa 110 Kinder- und Jugendlichen, die dieses Projekt als Teil ihrer schulischen Pflichten absolvieren, so zu motivieren, dass sie gern und freiwillig dabei bleiben. Sie haben die Alternative, am Unterricht anderer Klassen teilzunehmen. Das ist in den Jahren 2006-2008 spielend gelungen, nur 2 Kinder waren nicht in das Projekt integrierbar.

Der Ansatz der Kinder- und Jugendarbeit des Bayerischen Staatsballetts ist dezidiert ein künstlerischer, nicht ein pädagogischer Zugang. Die Grenzen sind hier naturgemäß fließend, da es sich in allen Projekten um Zielgruppen handelt, die nicht per se Kontakt zu Kunst- und Kultureinrichtungen aufnehmen.
Alle beteiligten Künstler haben Erfahrung mit Kinder- und Jugendprojekten im Bereich ästhetischer Bildung, sind aber nur zu einem kleinen Teil auch Pädagogen.


. Foto: © Oskar Henn

Die Schlusspräsentation ist für den 29. und 30.Juli in der Muffathalle geplant.


Die Geschichte von Anna tanzt

Das Projekt Anna tanzt begann im Winter 2005/ 2006, als die Direktorin des Städtischen St. Anna Gymnasiums, Dr. Ingrid Neuner, dem Direktor des Bayerischen Staatsballetts, Ivan Liska, eine Kooperation im Rahmen eines Schulprojekts vorschlug. Im Juli 2006 bereits fand Anna tanzt zum ersten Mal statt und wird heuer, im Juli 2009, zum vierten Mal durchgeführt. Die Schlusspräsentationen fanden jeweils auf großer Bühne in der Reithalle München, bzw. in der Muffathalle statt.

Jede einzelne Ausgabe von Anna tanzt hatte ein eigenes Konzept

- 2006 choreographierte die spanische Forsythe-Tänzerin Ana Catalina Roman auf der Grundlage vieler individueller Einzelbeiträge der Schüler: Bilder, Texte, Szenen, Ideen, Improvisationen.
- 2007 choreographierte die Berlinerin Nadja Raszewski die Stücke nach Themen aus der Literatur und der Musik: Die grüne Katze, mit Musik vom Band und Live-Musik des Amerikaners Michael Gould am Schlagzeug, und
- 2008 choreographierte noch einmal Nadja Raszewski Szenen nach Der Feuervogel von Igor Strawinsky. Letzteren spielte das Jugendorchester des Bayerischen Staatsorchesters ATTACCA live zu Proben und Vorstellungen

Es sind für die beteiligten Schülerinnen und Schüler jedes Jahr aufregende und anregende vier Wochen nicht - kompetitiver Arbeit, Konzentration und Leidenschaft, Fokussierung auf ein künstlerisches Produkt, das Ende Juli mit Stolz der Öffentlichkeit präsentiert wird. Die Erfahrung lehrt stets: am Anfang steht die Skepsis, vor allem bei den Jungen, am Ende herrscht einhellige Begeisterung und Stolz über das Erreichte. So wichtig das künstlerische Endergebnis und seine öffentliche Präsentation als Ziel der Arbeit sind, so viel wichtiger ist doch in jedem Jahr wieder der Arbeitsprozess selbst, in dem die Jugendlichen auf eine neuartige und ungewöhnliche Weise lernen, miteinander arbeiten, sich gegenseitig respektieren, einander beobachten, helfen, non-verbal kommunizieren, Ängste abbauen, ihr Selbstbewusstsein stärken.
Ein künstlerischer Prozess erfordert Disziplin, Hingabe, Leidenschaft, Einsatzbereitschaft und Teamarbeit – Eigenschaften, die auch für das schulische Lernen immer mehr Bedeutung bekommen, Jugendlichen heute aber immer schwerer zu vermitteln sind. Soziale Kompetenz wird über den künstlerischen Arbeitsprozess ganz selbstverständlich gelernt und die Jugendlichen erobern darüber hinaus einen neuen Lebensbereich – die Kunst der Bewegung.

Bettina Wagner-Bergelt,

Stellvertretende Ballettdirektorin
Konzepte Kinder- und Jugendprogramm
T +49.(0)89.21 85 17 10/- 1701
F +49.(0)89.21 85 17 03
bettina.wagner-bergelt@
st-oper.bayern.de
www.staatsballett.de

Platzl 7
D-80331 München
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