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München, 08.05.2010 Wenn Diven gute Laune haben „Le Corsaire“ bei den Münchner Ballettfestwochen Kaum zu glauben, dass die letzte „Le Corsaire“-Vorstellung des Bayerischen Staatsballetts vor genau einem Jahr stattfand. Die Münchner Fassung des Klassikers, die Ivan Liska und der Choreologe Doug Fullington 2007 schufen, glänzte nun, da sie zur Ballettfestwoche wieder hervor geholt wurde, sofort wie neu. Drei romantische Bühnenbilder mit Meeresblick, prächtige Kostüme, sieben tragende Charaktere und eine Fülle der verschiedensten Corpstänze, Pas-de-deux, Variationen und Pantomimen lassen das Herz des Klassik-Liebhabers unfehlbar höher schlagen! Wie es bei Vorstellungen nach langen Spielpausen ist, hakte eben alles ein bisschen. Die ein oder andere Requisite zickte, das Corps fand im Bürger- und Piratentanz noch nicht zum perfekten Fluss. Die schwunglosen Klänge aus dem Orchestergraben hätten obendrein viel bremsen können. Doch das Ensemble entschied sich für das Beste in dieser Situation und bewahrte Humor. Ohne Vincent Loermans als Said Pascha wäre der Abend vielleicht in hektisches Bemühen abgeglitten. Doch dank seiner köstlichen Gesichter – mal kindisch hingerissen von weiblicher Schönheit, mal eigensinnig- tyrannisch, wenn es ums Gold geht, mal beleidigt ob der Frechheit seiner Haremsdamen – standen zum Glück alle Zeichen auf „guten Mut“. Eine Haltung, die Roberta Fernandes besonders gut stand: Ihre Gulnara ist eine laute, ständig herum wuselnde Diva, im Grunde aber von Frohsinn gelenkt. Was ja bekanntlich die wichtigste Eigenschaft ist, um einen Mann zu halten. Und so wickelte sie den kindischen Pascha mit Verspieltheit um den Finger, nicht, wie von anderen meist interpretiert, durch Machtwillen. Daneben sorgten die starken, tänzerischen Momente für eine gelungene Vorstellung. Tigran Mikayelyan als Ali sprang weicher, höher und sicherer denn je, Lukas Slavicky zeigte einen souveränen Piraten Konrad, der noch während der schwierigsten Fouettés die Aura des Fels in der Brandung ausstrahlte. Zusammen mit Lisa Cullum (auch sie brillierte in der Variation des „Petit Corsaire“ mit feinem Humor) zelebrierten sie als Höhepunkt einen Pas de Trois in der Piratenhöhle, den das Publikum, stürmisch applaudierend, gar nicht mehr von der Szenerie lassen wollte. Der Münchner „Corsaire“ wird noch viele Jahre und Uraufführungen überdauern, so viel steht fest. Man darf sich auf die zwei kommenden Vorstellungen im Juni freuen. Autor: Isabel Winklbauer |