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München, 14.12.2009

Ich tanze, also bin ich

Mit ihrer Tanzperformance “Pas un, pas de deux” brilliert Agnès Noltenius im Münchner i-camp

Agnès Noltenius in "Pas un, pas de deux". Foto: © Franz Kimmel

Die Szene hat Laborcharakter: Ein unbestimmter Ort, in dessen mystischem Dunkel sich jegliches Gefühl für Zeit und Raum verliert. Eine Sphäre, in der nichts ist und die doch alles zu sein verspricht. Im bläulichen Schimmer des irrisierenden Lichtes erscheinen die Konturen der am Boden liegenden Figur als seltsam verfremdet und in sich gebrochen. Ober - und Unterkörper zeigen in verschiedene Richtungen, die Gliedmaßen sind hilflos abgespreizt und in unbequemen Winkeln verformt.
Als bloßer Schatten ihrer selbst, erscheint die Figur in ihrer ausdrucksfernen und unbewegten Silhouette: Flächig auf den Boden projiziert und dahingeworfen, ohne einen Willen, und ohne ein Ziel. Ein leerer Blick aus müden Augen. Eine leise Musik ertönt, minimalistische Klänge; kaum wahrnehmbar zunächst, doch dann immer weiter anschwellend. Und plötzlich ist er da, der Moment des Sich-Bewusstwerdens: Der Körper beginnt, langsam und forschend, sich von der eindimensionierten Beschränktheit der Fläche zu emanzipieren. Bewegung entsteht; unerträglich langsam zwar zunächst, dafür aber in ungeahnter Intensität, aufgespalten und akribisch zerlegt in ihre einzelnen Segmente. Die Figur probiert sich aus: Sie erlebt und erforscht ihre Körperlichkeit in den zuvor noch ungekannten Dimensionen des Raumes, und gewinnt auf diese Art und Weise an Ausdruck und Plastizität. Ich tanze, also bin ich.

Agnès Noltenius in "Pas un, pas de deux". Foto: © Franz Kimmel

Es sind Momente wie diese, in denen die langjährige Forsythe-Tänzerin Agnès Noltenius mit choreografischem Geschick und Esprit zu bestechen vermag. So auch in ihrer neuesten Produktion, der Tanzperformance “Pas un, pas de deux”, die nun im Münchner i-camp zur Uraufführung kam. In ihrer knapp 60-minütigen Darbietung umkreisen Noltenius und ihr Partner, der ebenfalls Forsythe-erprobte Raffaele Irace, das Sujet der jeweils “anderen Hälfte”. In ausdrucksvollen, den Raum in seiner Ganzheit erobernden Soli beherrschen die beiden Tänzer ihre Bühne. Mal behutsam tastend, dann wieder energisch fordernd, begeben sie sich auf die Suche nach einem möglichen Gegenüber. Dabei agieren Noltenius und Irace zunächst im Wechsel, später auch gleichzeitig, in einem kontinuierlichen Neben- und Gegeneinander, dessen Eindruck durch den kontinuierlichen Einsatz einer beweglichen weißen Wand, mit denen die Tänzer den (Bewegungs-) Raum des jeweils anderen in ständiger Veränderung zu halten wissen, verstärkt wird. Im Duo schließlich verstärkt sich der Eindruck eines Kräftemessens, gewinnen mancherlei Passagen in ihrer starken Akzentuiertheit nahezu Wettbewerbscharakter - wenngleich auch die Bewegungen der beiden Figuren stets in einen durchaus harmonischen Bezug zueinander gesetzt werden, und die Tänzer auch im Farbspiel ihrer Kostüme (Esther Tigoue) miteinander in Verbindung gesetzt werden.

Autor: Antje Bissinger

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tanznetz.de Redaktion
14.12.2009, 12:19

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