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München, 30.05.2010 Anderen verletzten Tänzern helfen Thierry Paré: Tänzer, Tanzpädagoge und Physiotherapeut Eine Tänzerkarriere ist mit Anfang, Mitte Dreißig auf dem künstlerischen Höhepunkt – und, tragischerweise, dann meist auch schon zu Ende. Thierry Paré findet gleich eine neue Berufung: die Physiotherapie. Er schult um, gibt aber nebenbei noch sein Tanzwissen als Ballett-Pädagoge weiter. Und seit 2001 tritt auch er in Yvonne Pougets freier Münchner Butoh-Tanzgruppe auf. Für Thierry Paré war die Physiotherapie eine logische neue Berufswahl. „Ich hatte als Tänzer ja selbst mehrmals mit Krankengymnasten zu tun. Und die Entdeckung des Körpers aus wissenschaftlicher, also anatomischer, physiologischer und biomechanischer Sicht hat mich schon früh fasziniert“, erzählt der gebürtige Franzose, der ursprünglich über den Sport und schließlich durch seinen drei Jahre älteren Bruder zum Tanz kam. Jean-Christophe Paré wurde Solist im Ballett der Pariser Oper, leitet heute die École Nationale Superieure de Danse Classique de Marseille. Thierry Paré wurde von dem bereits verstorbenen renommierten Choreographen und Ballettchef Erich Walter 1981 an die Deutschen Oper am Rhein, Düsseldorf, engagiert und beendete dort 1989 seine Solisten-Karriere – wegen einer Knieverletzung. Heute kann er, mit zusätzlicher Osteopathie-Ausbildung, unter anderen verletzten Tänzern helfen, wieder in ihre alte Form zu kommen: „Es geht da nicht darum, lediglich durch Strecken und Beugen eines Knies die Muskeln zu stärken. Man muss alle angrenzenden Muskeln und Sehnen, den gesamten Körper in die Übungen mit einbeziehen. Zur Heilung wichtig sind aber auch die Ernährung, überhaupt der ganze Lebensrhythmus und die psychische Gestimmtheit.“ Wie Paré sich seine neue Existenz aufgebaut und gleichzeitig noch seine drei Buben (heute 13, 15 und 16 Jahre) großgezogen hat - Chapeau. Eine existenzielle Motivation war und ist ganz offensichtlich immer seine alte Liebe – der Tanz: „Ich hatte eigentlich die Tür schon zugemacht, dreizehn Jahre für meinen Körper nur Sport getrieben. Aber da war doch eine große Trauer. Und dann hat die Choreographin Yvonne Pouget, sie war wegen ihres Fußproblems bei mir in Behandlung, wieder das Interesse fürs Tanzen geweckt. Nicht mehr so sehr für die brillante technische Darbietung, sondern für den inneren Tanz. Pouget kommt ja vom japanischen Butoh-Tanz her. Wichtig ist jetzt für mich, was man tanzend von sich selbst auf die Bühne bringen kann“. In vier Pouget-Produktionen ist Paré bis jetzt aufgetreten – und würde es jederzeit wieder tun, auch ohne Bezahlung. In der Zwischenzeit vermittelt er seine Tanzleidenschaft zweimal die Woche im Münchner Performing Arts Studio: 1, 85 m hochgewachsen, hyperschlank, macht Paré alle Übungen an der Stange vor, wirft sich wehenden Haares in die raumgreifenden Tanzschritt-Kombinationen, so dass alle im Ballettsaal, Profis und Amateure, nicht anders können, als ihm enthusiastisch nachzueifern. Malve Gradinger * Thierry Paré, am 25.11.1960 in Saint-Quentin geboren, Schulabschluß mit Abitur 1978 1978 Ausbildung in Paris zum klassischen Balletttänzer an der „ Académie Solange Golovine“ 1981 Engagement erst als Gruppentänzer 1983 Ernennung als Solotänzer an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Zusammenarbeit mit vielen Choreographen wie Erich Walter, Jiri Kylián, Hans van Manen, Heinz Spoerli, Istvan Herczog, Jean Golovine, Paolo Bortoluzzi…. Seit 2001 regelmäßige Zusammenarbeit mit der Choreographin und Butoh-Tänzerin Yvonne Pouget. Thierry Paré ist seit 1992 selbstständiger Physiotherapeut und hat 1998 eine Ausbildung für Osteopathie auf dem Collège „Sutherland“ absolviert. Autor: Malve Gradinger |