Ein Projekt im Rahmen von Access to Dance gefördert durch

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Lochham, 21.11.2007

Tanz in der Schule

Ein Projekt mit Andrea Marton im Rahmen von ACCESS TO DANCE - Tanzplan München

Klasse 4 a, Volksschule Lochham , 4 Doppelstunden. eines Jahresprojektes

Seit Oktober treffen die 27 Kinder der Klasse 4a der Volksschule Lochham und ihre Lehrerin Elisabeth Pflaum im zweiwöchigen Rhythmus mit der Tanzpädagogin Andrea Marton, (in Assistenz Judith Hummel) zusammen.
In den ersten drei Tanzblöcken wurden sie durch Improvisationen im Raum mit den Elementen Raumwege, Boden- und Luftmuster und Körperformen vertraut gemacht.
In der vierten Doppelstunde legten sich die Kinder auf eine eigene Bewegungssequenz aus jenen Elementen fest. Im Anschluss brachten sie sich im Paar oder Trio ihre Sequenz gegenseitig bei.
Durch persönliche Mitschriften und Skizzen suchte jeder Schüler, jede Schülerin nach einer ganz persönlichen Form dies zu notieren und damit erinnerbar zu machen.

Ziel ist es im Rahmen des Jahresprojektes (zweiwöchentlich) auf der Grundlage des Spätwerkes von Wassilly Kandinsky ein Stück zu erarbeiten und eigene bildnerische Kompositionen zu schaffen.





Nina, 9 Jahre

"Wir haben uns ein Tanzstück alleine ausgedacht und dann mussten wir in unser Stück Luftmuster, Bodenmuster, Raumwege und Figuren reinbringen. Wir konnten es so aufteilen: A-B-A-C

Bei A mussten wir zweimal dasselbe nehmen. Wenn man sich einen Tanz ausdenkt, nennt man das Choreografie. Also waren wir Choreografinnen und Choreografierer."



Leon, 9 Jahre

"Wir haben uns Tänze ausgedacht und aufgeschrieben. Wir sollten uns aus Raumwegen, Figuren, Boden- und Luftmustern einen Tanz ausdenken. Der Tanz musste in dieser Reihenfolge sein: A-B-A-C. Bei mir ist der Tanz so: Figur – Raumweg – Figur - Bodenmuster. Ich habe meinem Partner meinen Tanz beigebracht und er mir seinen. Später haben wir unsere Tänze kombiniert. Mein Partner ist Florian. Es macht sehr viel Spaß."



Alina, 9 Jahre

"Wir haben uns selber eine Choreografie ausgedacht, z.B. mit Bodenmuster, Luftmuster, Figuren und Raumwegen. Also es gab A_B_A_C; diese Buchstaben stehen uns als Hilfe zur Verfügung. Z.B. A ist Raumwege, B sind Bodenmuster, A sind dann wieder Raumwege und C sind Figuren: als erstes habe ich unter A Raumwege geschrieben, dann welche Raumwege ich nehme, bei B habe ich ein Bodenmuster darunter geschrieben, bei A (Raumwege) nicht wieder das Gleiche sondern etwas anderes, und bei C einfach nur Figuren darunter geschrieben. Ich habe meiner Partnerin das Tanzstück so beigebracht einfach Stück für Stück, und wenn sie es vergessen hat, dann habe ich ihr es noch einmal gezeigt."


Lozenzo, 9 Jahre

Wir hatten einen Auftrag einen Tanz zu machen also wir waren Choreographen. Ich habe meinen Tanz aufgeschrieben und aufgezeichnet.
Wir mußten ABAC machen, also war A das erste, dann B dann wieder A als letztes C. Ich habe als A Raumwege genommen als B Bodenmuster, und als C Figur.... daraus habe ich meinen Tanz gemacht. Dann mußten wir uns einen Partner suchen und ich habe den Moritz als Partner. Ich habe ihm langsam, deutlich und in Stücken vorgetanzt. Danach war der Moritz dran und hat mir seinen Tanz genauso vorgetanzt. Wir haben gesagt daß der Tanz vom Moritz viel besser war und haben seinen genommen. Wir haben Moritz Tanz verbessert und dann wurde unser Tanz spitze. the End

Jonah, 9 Jahre

Andrea hat uns gesagt wir sollten uns einen eigenen Tanz erstellen, eine sogenannte Choreographie. Wir haben einen Auftrag gekriegt, nämlich "ABAC". A ist eine Bezeichnung für zum Beispiel ein Bodenmuster. B ist eien bezeichnung für z. B. Luftmuster und C ist zum Beispiel ein Raumweg. Mein tanzstück ist mit Formen und Worten entstanden. Ich habe mir ein Bild von der halle gezeichnet mit den Linien die ich laufen muß.
Ich habe mir aufgeschrieben "mit Ellbogen kreise malen". Ich habe es Julius uns leon vorgemacht und sie machten es nach. Ich korrigierte sie wenn es falsch war. So lernten sie se schnell.

Anna, 9 Jahre

Wir haben uns Raumwege ausgedacht, und sollten uns noch Luftmuster, Figuren und Bodermuster ausdenken.
Wir haben mit dem Ellbogen Luftmuster gemacht und lustige Figuren. Wir sollten uns einen Tanz überlegen. Ich habe Strichmännchen gemalt und den Figuren habe ich Namen gegeben. Ich habe mit Zahlen und Zeichen gearbeitet. Ich habe Buchstaben verwendet. Pfeile und passende Bezeichnungen. Ich habe ihn einmal vorgetanzt und beim zweiten Mal ist sie mir nachgetanzt. Ich habe Einzelheiten erklärt und dann haben wir ihn mit dem anderen Tanz zusammengewürfelt und ganz viel geübt.





Beobachtungen der Lehrerin


Raumwege gehen, laufen, springen, schlittern, tanzen; vorwärts, seitwärts, rückwärts; gerade, eckige, runde, geschwungene, schlangenförmige Linien.
Luftmuster und Bodenmuster „zeichnen“ mit Armen, Händen, Ellenbogen, Schultern, Kopf, Rumpf, Beinen, Füßen, Knien….

Die Kinder gehen mit Eifer und Ernsthaftigkeit an die Aufgabe heran, ihre eigene kleine Choreografie zu gestalten das neue, interessante Wort begleitet sie intensiv weiter). Erstaunlich ist für mich, wie frei und ungezwungen sie sich bewegen und ihre Figuren erfinden. Sie fühlen sich nicht beobachtet, jeder ist mit sich beschäftigt. Ich habe das Gefühl, sie haben keine Hemmungen, sich körperlich auszudrücken.
Dann „schreiben“ sie ihre Tanzstücke auf. „Erfinde für dich eine eigene Tanzschrift, die du lesen kannst!“ Ich höre kein: „Das kann ich nicht, ich weiß nicht, wie das geht!“ Wieder arbeiten die Kinder mit Konzentration an ihren Aufzeichnungen. Jedem gelingt es, die Ideen so aufs Papier zu bringen, dass er es wieder lesen kann. 24 Kinder – und 24 verschiedene Schreibweisen. Mir gefällt sehr, wie selbstsicher die Kinder diese Aufgabe bewältigen, in der Gewissheit: Es gibt kein falsch oder richtig, es gibt nur den ganz persönlichen Ausdruck.
Bei der folgenden Einstudierung ihrer Tänze mit den Partnern werden die „Partituren“ von den Kindern als hilfreiche Unterstützung ihrer Gedächtnisse verwendet.



Autor: Gastautor

druckerfreundlich

tanznetz.de Redaktion
26.12.2007, 19:57


Beobachtungen der Leiterin Andrea Marton:

Gewicht geben - Gewicht nehmen

Balance - Offbalance

Zwei Wochen nach der choreografischen Arbeit mit den Schülern in Paaren ( die Kinder haben in Duos und Trios aus ihren eigenen Bewegungssequenzen Duos gestaltet, indem sie sich gegenseitig beibrachten und zeitlich und räumlich aufeinander abgestimmten), habe ich ein neues Element eingeführt: Zunächst arbeiteten wir an der Stabilität und Zentrierung verschiedenere Körperformen. Die Kinder erforschten ihre Mitte und Standfestigkeit in unterschiedlichen selbstgewählten Figuren.



Im Paar - bei etwa gleicher Größe und gleichem Gewicht - hintereinander stehend, ließen die vorderen Kinder vertrauensvoll ihr Gewicht in der Aufrichtung ("wie ein Brett") in die Hände des hinter ihnen stehenden Kindes gleiten. Im Vorfeld wurden Aufgabe und Position der Haltenden gemeinsam diskutiert und geklärt. Nach einer Explorationsphase wurde eine weitere Position im Paar eingeführt: das gleiche Kind kippt über seine Mittelachse nach vorne und wird an den Beckenkochen in dieser Offbalance-Position vom Partner gehalten. Aus diesen beiden Paarpositionen entstand eine kleine von mir den Kindern beigebrachte Bewegungssequenz mit Laufen im Raum und Rollenwechsel.




Beobachtungen der Lehrerin:

Meine Aufmerksamkeit ziehen gleich zu Beginn der Übung zwei Jungen auf sich. Es fasziniert mich, wie die beiden arbeiten und miteinander umgehen. Die Schüler haben sich ihre Partner selbst gesucht, mussten allerdings darauf achten, dass sie mit Größe und Gewicht einigermaßen harmonierten. Die zwei Buben haben sich unter diesem Aspekt "gefunden". Die Bewegungsabläufe beherrschen sie schnell. Das Erstaunliche ist, dass sie sich mit jedem Mal mehr einlassen können: Einlassen auf ihren Körper, ihre Bewegung und auf ihren Partner. Dabei vermitteln sie den Eindruck, dass sie konzentriert bei der Sache sind.




Derjenige, der sich anvertraut, bewegt sich langsam und "erwartet" den Punkt, an dem der andere ihn hält. Der "Haltende" verfolgt genau den Ablauf seines Partners und stützt diesen im richtigen Moment. Auch in der umgekehrten Rolle funktioniert das. Die Jungs müssen nicht miteinander sprechen und sind mit großer Ernsthaftigkeit beschäftigt. Sie wirken höchst präsent und strahlen Ruhe und Gelassenheit aus. Diese Beobachtung fasziniert mich deshalb sehr, weil beide Buben sonst eher ihre wilden, ungestümen und teilweise ungeduldigen Seiten, gerade auch im körperlichen Umgang mit anderen, zeigen.



Die Fragen an die Schüler:
Was ist das für ein Gefühl
- wenn ich mich dem anderen anvertraue?
- wenn ich den anderen halte?

Geändert von tanznetz.de Redaktion (26.12.2007 21:02:14)
tanznetz.de Redaktion
06.01.2008, 08:27


Bereits seit einigen Wochen nimmt Elisabeth Pflaum im Rahmen ihres Klassenunterrichtes Wassily Kandinsky durch. Es gab ein Referat eines Schülers, der über Leben und Schaffen des Malers berichtet hat. Die Kinder haben in ihrem Klassenzimmer in einem Schaukasten einige Bildbeispiele des Spätwerkes.

In zwei verschiedenen Arbeitsaufträgen wurden die Kinder durch die Lehrerin an die eigene Umsetzung abstrakter Bilder herangeführt:
- Die Kinder kamen zu Vierergruppierungen zusammen und bekamen ein Thema (z.B. widerstreitende Gefühle). Sie konnten aus verschiedenen Formen (Strich, Kreis, Zickzack, Bogen) auswählen, die Elisabeth Pflaum als fertig geschnittene Schablonen in unterschiedlichen Farben ausgelegt hatte. Sie setzten sich gemeinsam über die Wirkung von Form und Farbe in Bezug auf die Gestaltung ihres Themas
auseinander.
- Mit Wasserfarbe und Pinsel entstehen in Einzelarbeit persönliche abstrakte Werke jedes Schülers.



Zwischen den Tanzblöcken kam Andrea Marton zu den Schülern ins Klassenzimmer. Bezugnehmend auf die oben beschriebenen Schülerwerke wurden noch einmal jene Formen diskutiert, die auch seit Beginn des Tanzprojektes Basis sämtlicher choreographischer Gestaltungen der Kinder waren. Der Bogen vom Zweidimensioinalen (des Blatt Papier) zum Dreidimensionalen (der Tanzraum) ist geschlagen. Die Idee mit dem Körper abstrakte Bilder in den Raum zu malen ist verstanden, und wird für die Kinder als körperliches Bild erfahren.


An jenem Vormittag bekamen die Kinder musikalische Beispiele zu einzelnen abstrakten Kandinskys. Die Musik war aus der Klassik sowie E-Musik ausgewählt, sie war weniger rhythmisch oder melodisch als vielmehr atmosphärisch und unberechenbar in der Hörerwartung.

Es war erstaunlich, was die Kinder, unterstützt von der Musik in den Bildern, zu sehen begannen: ganze Geschichten fanden statt. Sehr spürbar war das kindliche Bedürfnis der Schüler die Welt in ihrem Kontext zu begreifen, Bilder zu verstehen. Wir haben auch versucht die Bilder in ihren Farben und Formen zu beschreiben.

Es ist für die tänzerische Arbeit eine große Bereicherung auf die musikalischen und gestalterischen Erfahrungen zurückgreifen zu können.
Auf diese Weise erreicht man jedes Kind über seinen persönlichen Lernkanal, und führt dennoch alle gemeinsam in einen gestalterischen Prozess.

Geändert von tanznetz.de Redaktion (08.01.2008 18:29:41)
tanznetz.de Redaktion
16.03.2008, 17:31


Tage nachdem Andrea Marton die Klasse im Klassenzimmer besucht hatte, gab Frau Pflaum, die Lehrerin, den Kindern noch einmal die Musik. Die Kinder malten mit Farben auf Papier zu den musikalischen Stimmungen und Bögen der Musik. Runde Linien, wo die Musik scheinbar rund und fließend war, eckig wo staccato; Pausen. Der Stift wurde sanft oder auch bestimmt auf das Papier gedrückt. Farben wurden gewählt. Die Lösungen waren individuell. Jede Lösung war richtig.
Die Kinder setzten sich über das Malen mit Formen, Wegen und Dynamiken auseinander, die sie später tanzend in den Raum übertrugen. Über das Malen wurden sie bereit für einen differenzierten Umgang mit Bewegung. Die Musik wurde bewusst erlebt und kindgerecht kreativ analysiert.


Die Schüler haben schließlich aus dem Hörerlebnis eine Geschichte geschrieben. Töne wurden zu Bildern, Bilder wurden zu Erlebnissen.
Beim Lesen der Geschichten wurde die Musik in ihren fließenden und auch überraschenden Elementen wieder hörbar.



Wir kehrten zurück zu den Duos: All die Wochen haben die Kinder immer wieder an den Duos und Trios gearbeitet. Sie lernten und entwickelten durch das Sehen andere Lösungen: sie schauten sich gegenseitig zu , gaben sich Rückmeldung und überarbeiteten und ergänzten ihre Stücke.
Immer wieder Thema ist PRÄSENZ: wie wirkt Bewegung auf den Zuschauer, wohin richte ich meinen Blick, tanze ich mein Stück oder bin ich in meinem Stück? Was passiert mit meinem Stück, wenn ich mich zwischendurch kratze oder das Haar zurückstreife.... Die Schüler sehen selbst was ablenkt, was es für den Zuschauer spannend oder langatmig macht. Sie lernen durch Beobachten.


Die gefeilten Duos trafen nun auf ein anderes Duo oder Trio. Wiederum lernten sich die Duos/Trios durch gegenseitiges Zuschauen kennen. Ziel ist es ein gemeinsames Stück daraus zu erarbeiten. Es wird nach gemeinsamen Raumwegen, Körperformen, Pausen, Dynamiken usw gesucht. Bewegungen/Raumwege können sich ergänzen, synchron oder gegensätzlich verlaufen, Bühnenräume werden genutzt, Pausen gesetzt...

Als die neu erarbeiteten Stücke scheinbar fertig waren, wurden sie den anderen Schülern der Klasse gezeigt. Diese wurden zu Mit-Choreographen und gaben gezielt Rückmeldung zu den Choreografien.

Frau Plaum gab im Lauf der Woche den Gruppen in der Klasse die Aufgabe nach einer Form zu suchen, ihre neuen Choreografien festzuhalten und damit für die kommenden Wochen erinnerbar zu machen. Es entstanden wiederum Skizzen.
Die Ergebnisse sind umwerfend! Sowohl als Dokument der "Notation", als auch unter dem künstlerisch-gestalterischen Aspekt.

Geändert von tanznetz.de Redaktion (16.03.2008 18:10:46)
tanznetz.de Redaktion
11.06.2008, 09:06


Die Stücke der Kinder sind gereift. Sie sind sich selbst gegenseitige Choreografen und werden immer differenzierter in ihrer Beobachtung in Bezug auf den Bewegungsausdruck, die Kraft und Dynamik, mit der sie ihre Ideen umsetzen, und dem Umgang mit dem Raum. Sie nehmen sich ernst in ihrer Rolle als Tänzer und Choreograf.

Ich bringe ein weiteres Element in die Stunden ein: der über Wochen erarbeitete Aufwärmkreis, in dem sich die Kinder über konkret angeleitete Bewegungen mit Streckung, Beugung, Seitneigung und Rotation der Arme, Beine, Wirbelsäule, Füße usw auseinandersetzten, sowie mit Raumrichtungen und Rhythmus wird nun auf den offenen Raum übertragen. Ferner werden die Kinder eingeladen, die Orientierung und Dynamik der einzelnen Bewegungselemente zu verändern.


Da kommt große Freude auf: die Kinder nutzen die Freiheit, statt z.B. „nur“ den Arm zur Seite zu öffnen, den sich öffnenden Arm als Impuls für eine Drehung zu nutzen, oder statt einer geführten Streckung diagonal Richtung Boden, sich in den Boden zu werfen oder zu springen.
Es ist erstaunlich wie erfindungsreich und begeisterungsfähig die Kinder sind. Aus dien neuen Formen erarbeiten sie Duos. Die Bewegungen des Aufwärmkreises sind Basis, verschwinden dennoch im Ideenrausch der Kinder immer mehr. Das darf sein. Im gegenseitigen Zuschauen geben die Kinder sich wieder gegenseitig Rückmeldung und Unterstützung.

In der darauffolgenden Woche stellt Frau Pflaum den Kindern Zeit zur Verfügung, erneut
Ihre Tänze niederzuschreiben oder zu malen. Alle malen inzwischen, das Schreiben scheint nur noch zur Präzision genutzt zu werden. Ein vorgestelltes Publikum scheint immer wichtiger.

Wir arbeiten immer noch am Thema Kandinsky: Formen, runde und eckige, kräftige Striche und sanfte, Punkte und Flecken.

Ich habe Bildmaterial mitgebracht: Thema: als Gruppe eine Raumform gestalten. Wie ist der Weg zur Form?
Sechs bis acht Kinder finden sich in Gruppen. Sie entscheiden sich für eine Form. Sehr differenziert tauschen sie sich über Auf- und Abgänge aus, das Timing wann sich die Einzelnen in der besprochenen Form treffen, lassen die Elemente bewegt bleiben. Mich erstaunt ihr Gefühl für Gestaltung und Form.


Das Projekt geht auf das Ende zu. Wir haben nun sehr viel Material gesammelt. Nun gilt es, das Puzzelwerk zu einem Stück zusammenzusetzen. Die Kinder müssen viel erinnern, sich konzentrieren, auch Geduld zeigen, wenn mal etwas nicht gleich klappt.

Um die Kinder auf diese Phase vorzubereiten gehen wir zusammen zu einer Ballettwerkstatt in Staatsballett. Wir beobachten eine Probensituationen zu dem Piratenstück „Le Corsaire“.
Ballettmeister erzählen vom Stück, lassen Tänzer tanzen, lassen Szenen wiederholen, wenn diese noch nicht befriedigend umgesetzt waren.


Die Kinder sehen aus der Nähe, wie anstrengend Tanzen ist, wieviel jeder einzelne der Tänzer und Tänzerinnen (aus acht Nationen!) einbringt und für das Gelingen der ganzen Szene verantwortlich ist, und wie wunderbar es ist, wenn alle miteinander einen Raum mit getanzten Geschichten füllen.

Es war für die Kinder durchaus auch befremdlich die klassischen Tänzer in ihrer Strenge und „Steifheit“ (Zitat einer Schülerin) zu sehen.
In der darauffolgenden Stunde ging es zunächst darum, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu benennen: auch wir springen, drehen, laufen, aber eben anders….
Im zeitgenössischen Tanz spielt der Boden eine andere Rolle – die Kinder haben das Rollen, Schlittern, Rutschen vermisst, das sie doch so sehr zu lieben gelernt haben.

Und von einem Jungen zu hören, dass das, was wir machen spannender ist, tut freilich gut.

Dennoch greife ich in den verbleibenden Stunden , in denen es nun um die abschließende Gestaltung unserer Choreografie geht, immer wieder auf die konzentrierte Atmosphäre zurück, die wir dort erlebt haben: das Streben um Entscheidungen und Klarheit, Alles geben, alle „Antennen“ in Bereitschaft haben!
Es ist eine große Bereicherung, die Kinder auch einmal Zuschauer sein zu lassen.
Sie sind nun tanzend präsenter, wissen um das Publikum, das sie bald selbst haben werden.

Am 27.6. wird das fertige Stück im Rahmen der gemeinsamen Informationsveranstaltung mit der Weiterbildung „Tanzkunst in die Schulen“ an der TU, Conollystraße von 16-18 zu sehen sein.

Andrea Marton

Geändert von tanznetz.de Redaktion (17.06.2008 18:37:41)
tanznetz.de Redaktion
05.07.2008, 07:45


Abschlussbericht der Klassenlehrerin Elisabeth Pflaum

"Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen!" - Ob die Engel mit uns zufrieden wären, wissen wir nicht. Augustinus' "Lernziel" konnten wir aber auch im Hier und Jetzt viel abgewinnen, nämlich während unseres Tanzprojektes im letzten Schuljahr. Unsere Idee dabei war, in der 4. Klasse neben dem Übertritt ein entspannendes, kontinuierlich stattfindendes Programm anzubieten. Dass dies gelungen ist, zeigten die Schüler, indem sie mit Freude, Spaß und Begeisterung bei der Sache waren und das auch in einer abschließenden Stellungnahme zum Ausdruck brachten.

Es gab in der Gruppe nicht nur das "eine Ziel: Übertritt", am Ende des Projektes stand eine öffentliche Präsentation, die es vorzubereiten und zu erarbeiten galt. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass das Miteinander förderlich ist und zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führt. Sehr befriedigend für die Kinder fand ich immer, dass sie ihre persönlichen Vorstellungen ausdrücken durften, ihrer großen Kreativität und Bewegungsfreude Raum gegeben wurde und diese Vielfältigkeit an Ideen in einem von den Schülern selbst bestimmten "Werk" ihren geordneten Rahmen fanden. Dies zu beobachten, hat mich mit Freude und Staunen erfüllt. Wie gut es die Kinder geschafft haben, eine Balance zu finden zwischen der eigenen Gestaltung und der anderer, wie sehr sie bei diversen Übungen sich selbst einbrachten und auf ihre Partner schauen lernten, wie sie für die anderen mitdachten und selbstverständlich ausglichen. Wie aus ihren eigenen kleinen Choreografien Partner- und Gruppenchoreografien "wuchsen", so entwickelte sich für die Kinder auch das Tanzstück von einzelnen Elementen zu einem vielfältigen Gesamtbild. Interessant dabei war die zunehmende Verantwortlichkeit zum Aufführungszeitpunkt hin, die gesteigerte Präsenz gerade auch von Schülern, die damit häufig Schwierigkeiten haben und teilweise eine außerordentliche Konzentrationsfähigkeit über einen längeren Zeitraum hin. Ich erinnere mich an die vorletzte Probe vor der Präsentation, als die Kinder unermüdlich mit höchster Anstrengungsbereitschaft arbeiteten - für alle anwesenden Erwachsenen sehr beeindruckend.

Eine besondere Bedeutung hatte dieses Projekt für mich dadurch, dass es mit Kunsterziehung gekoppelt werden konnte. Unsere Arbeiten, die sich mit dem Maler Kandinsky beschäftigten, übertrugen die Schüler sehr einfallsreich auf den Tanzbereich. Seine Pinselführung, seine Ausdrucksmöglichkeiten auf dem Papier nachzuempfinden und anschließend auf den Raum zu übertragen gelang den Kindern ebenso leicht, wie die Umkehrung, die ausprobierten Kompositionen in eine ganz persönliche Sprache und Zeichnung zu übertragen und mit diesen "Skizzen" zu erinnern und zu arbeiten.
Den wichtigsten Aspekt dieses Tanzprojektes sehe ich auf jeden Fall darin, den Schülern das Tanzen nahe zu bringen. Tanzen ist nicht nur das Klischee im Kopf: Ballett, Standardtanz, formelle Figuren; die Jungs würden sagen: "Mädchenkram". Wie schön, dass sich alle in der Klasse, vor allem auch alle Buben darauf eingelassen haben, dieses Projekt zu wagen und wie schön, dass sie erfahren konnten, sich beim Tanzen frei zu bewegen, ihre Kraft und Kreativität auszuleben, sich mit ihren eigenen Vorstellungen akzeptiert zu wissen, selbstsicher zu dieser Art des Ausdrucks sind. Wie schön auch, zu erfahren, dass es mir selbst und anderen Freude bereitet, auch auf diese Weise kommunizieren zu können. Und vielleicht sind wir jetzt schon wieder ein bisschen bei dem, was Augustinus meinte - mit seiner Vision vom tanzenden Menschen.

Geändert von tanznetz.de Redaktion (08.07.2008 13:05:42)
tanznetz.de Redaktion
08.07.2008, 08:44


Abschlussberichte der Schüler

Was hat Dir am besten gefallen?

Niko: „...dass wir sehr viel Freiheit hatten.“
Marie: „…die Teamarbeit; weil wir uns besser kennengelernt haben.“
Florian: „…dass aus zwei Tänzen einer wurde und aus vier Tänzen dann eine große Choreografie entstand.“
Jeanine: „…dass wir immer ein bisschen unsere Gefühle ausdrücken konnten.“



Macht es Dir mehr Spaß alleine zu tanzen, oder mit anderen?

Leo: „Mir hat es mehr Spaß gemacht mit anderen Tänze zu bauen, weil man dann Ideen hat, die man alleine nicht hat.“
Niko: „Es macht natürlich mehr Spaß mit anderen zusammen zu arbeiten, weil man auch mal sieht, welche Ideen andere haben.“
Julius: „Es macht mehr Spaß mit anderen zu tanzen, weil man mit vielen Leuten mehr Figuren und Muster tanzen kann.“

Hat sich Deine Einstellung zum Tanzen verändert?

Moritz: „Ja ziemlich. Früher hab ich gar nicht daran gedacht, wie spannend es ist, und toll es ist. Aber heute weiß ich es.“
Jeanine: „Meine Einstellung zum Tanzen hat sich verändert, weil ich zuerst dachte, Tanzen ist so ein Ballerinakram. Und jetzt macht es richtig Spaß.“
Jakob: „Ja, weil ich jetzt erfahren habe, dass Tanzen viel Kraft und Spannung braucht.“
Name unbekannt: „Ja, denn man dachte, man muss Walzer tanzen. Jetzt ist es Tanzen! Juchhu!“
Assur: “Ja. Am Anfang dachte ich, dass Tanzen so langweilig ist. Aber jetzt gefällt es mir gut, denn wir machen eher wilde Sachen.“
Vincent: „Ich kannte diese Art tanzen, die wir gemacht haben noch gar nicht. Ich kannte eigentlich nur Break-Dance und Ballett. Aber diese Art tanzen macht mir sehr Spaß.“



Wie hat es sich angefühlt vor Publikum zu tanzen?

Kai: „In der Schule hatte ich ein sehr gutes Gefühl, und am Ende ein noch besseres. In der TU-Aufführung hatte ich ein Kribbeln im Bauch, weil so viele Leute da waren. Nach der Aufführung war ich stolz, weil so viele Leute gesagt haben, dass wir so gut tanzen.“
Julius: „Erst war ich sehr aufgeregt, aber danach war ich sehr erleichtert, weil alles so gut geklappt hat.“
Namenlos: „Sehr froh und frei habe ich mich gefühlt.“

Möchtest Du weiter tanzen?

Moritz: „Ja klar!“
Carla: „Wenn es Möglichkeiten gibt weiter zu tanzen, möchte ich natürlich weiter tanzen, weil mir Tanzen sehr viel Spaß macht.“
Assur: „Es hängt davon ab, mit welcher Lehrkraft wir das machen würden. Mit (…) sehr wahrscheinlich.“
Nicole: „Ja, aber nur, wenn die ganze Klasse weitertanzt, weil wir schon so gut tanzen können.“
Marie: „Natürlich! Es mach super viel Spaß mit anderen zu tanzen. Es ist so wie eine Freizeit.“
Jeanine: „Ich würde sehr gerne in meiner neuen Schule weitertanzen, weil ich mich dabei entspanne, und danach gut konzentrieren kann.“
Nico: „Das kommt auf die Tanzart an.“
Vincent: „Ich würde mich freuen, wenn es in meiner neuen Schule das Gleiche geben würde. Aber am Nachmittag, da mach ich schon so viel.“
Julius. „Ja ich hoffe, dass ich weiter tanzen kann.“
Anna: „Ich würde natürlich gerne weiter tanzen, weil es sehr viel Spaß macht, und ich sehr viel Neues über mich gelernt habe.“



Schlussworte Andrea Marton

Am Ende eines so langen und intensiven Projektes bleibt ein bißchen Wehmut. Ich habe die Kinder nun über eineinhalb Jahre erlebt, sie in ihrem Drang nach Bewegung und Verwirklichung ihrer Ideen beobachtet und begleitet. Sie haben eine sehr erstaunliche auch tänzerische Entwicklung gemacht. In einem Monat werden sich die Kinder trennen.
Es war eine außergewöhnliche Entwicklung von den Anfängen zu unserem Abschluss. Von den zaghaften Versuche alleine und zu zweit Tänze zu gestalten hin zu dem starken Miteinander, dem Zusammenhalt in den letzten Wochen als es darum ging aus dem gesammelten Material ein festes Stück zu erarbeiten. Es war Arbeit: die Kinder mussten sehr viel erinnern, sich ihre individuellen Einsätze merken, aufeinander achten, Tempo abstimmen, Räume anderer respektieren. Ihr Ganzes geben.
Ich bin auf eine Arbeitsatmosphäre gestoßen, die Profis gleichkommt: Konzentration und Ruhe, Geduld wenn es nicht um den eigenen Einsatz ging, Respekt anderen gegenüber, präzise Fragen, die zur Klärung für alle beitrugen.


Schlussworte Andrea Marton
Beim Lesen der Abschlußberichte der Kinder und der Lehrerin wurde mir der Wert bestätigt den diese Arbeit für eine Schulklasse hat. Es stärkt das Selbstbewusstsein wie auch den Teamgeist. Es bringt die Kinder sich und den anderen näher.
Viele der Kinder wünschen sich eine Fortsetzung. Wäre es ein festes Angebot in den Schulen, würden –meiner Meinung nach - die Kinder nun auf dieser Basis sehr viel sicherer im Umgang mit ihren Körpern und der Gestaltungskraft ihrer Ideen ihre (Schul-)Laufbahn gestalten.
Die Dichte der Nachmittagstermine der Kinder, insbesondere der Gymnasiasten wird viele an einer Fortsetzung des Tanzens hindern. Das finde ich sehr bedauerlich.
Allen wünsche ich für ihr Leben viel Raum für ihre wunderbaren Ideen. Auch Raum zum Tanzen. Und die Freiheit die sie wohl dabei erlebt haben.

Geändert von tanznetz.de Redaktion (08.07.2008 15:18:16)
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